Immer mehr Unternehmen setzen auf Active Sourcing. Das bedeutet, dass Unternehmer aktiv und selbständig nach passenden Kandidaten suchen. Bis vor Kurzem war es noch üblich, die normale Bewerberprozedur durchzuführen. Eine Stellenanzeige wurde ausgeschrieben, woraufhin sich Interessenten darauf bewerben konnten. Es kam zu Vorstellungsgesprächen und Bewerberrunden, bis ein passender Kandidat gefunden wurde. Viele Firmen handhaben das nach wie vor so, doch Active Sourcing wird immer bekannter und beliebter.

Tatort Internet: Dort warten frische Talente

Active Sourcing funktioniert natürlich nicht in jedem Bereich. Wenn eine Firma nach Bauarbeitern sucht, wird sie im Internet nicht wirklich fündig. Anders schaut die Sache aus, wenn es sich um Grafikdesigner oder Webprofis, aber auch um Buchhalter oder Ingenieure handelt. Da Unternehmen wissen, wie mühsam es ist, Stellen ideal zu besetzen, müssen sie durch verschiedene Methoden dafür sorgen, Talente anzusprechen und diese von sich als Arbeitgeber zu überzeugen. Im Internet gibt es eine Vielzahl an potenziellen Kandidaten. Einige davon findet man auf Bewerberseiten, direkt in Foren oder auf deren Webseiten. Warum bringt Active Sourcing in der Regel mehr? Weil Unternehmen mehrere Bewerber Gruppen damit ansprechen und nicht mehr darauf warten, dass sich der perfekte Kandidat von selbst bewirbt. Welche Gruppen es gibt? Zum einen solche, die, wie gesagt, tatsächlich aktiv suchen, solche, die offen für eine Veränderung sind, aber sich nicht selbst bewerben und somit passiv auf der Suche sind  und solche, die kein Interesse an einer beruflichen Veränderung haben. Die Kandidatenmenge erhöht sich drastisch, wenn man neben den aktiv Suchenden auch die passiv Suchenden anspricht.

Wo sollten Personalabteilungen das Active Sourcing starten?

Active Sourcing ist im Internet fast überall möglich. Deswegen sind Personalverantwortliche auf allen Kanälen aktiv verteten. Zum Beispiel in Foren oder Business Netzwerken, aber auch auf eigentlich privaten Kanälen wie Facebook. Aus diesem Grund sollten Bewerber im Internet überall ein gutes Bild von sich hinterlassen. Wer ständig negativ auffällt, verbaut sich eventuell Chancen auf eine gute Karriere. Das Internet vergisst nie und die Personalchefs sehen alles. Facebook ist nur eine von wenigen Plattformen, auf der Active Sourcing funktioniert. Ferner sind es Social Media Netzwerke, Foren, Blogs und ähnliches, wo Talentscouts sich auf die Suche begeben. Früher kannte man das aus dem Model- und Schauspielbusiness. Entdeckt ein Talentsucher ein schönes Model, wird es zu einem Gespräch eingeladen. So läuft es im Internet nun auch ab. Beispiel: Ein Grafiker präsentiert seine Arbeiten direkt im Internet und ein Chef einer großen Agentur sieht diese. Mit ein wenig Glück bekommt der Grafiker direkt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und das, obwohl er sich nicht einmal beworben hat. Das nennt sich Active Sourcing.

Sourcing Fachleute spüren Kandidaten auf

So praktisch Active Sourcing auch klingen mag, so oft wird es in der Praxis gar nicht oder nur unregelmäßig praktiziert. Das liegt daran, dass die wenigsten Unternehmen einen speziellen Sourcing Fachmann haben. Jemand, der sich in diesem Bereich spezialisiert hat und die passenden Kandidaten aufspürt. Große Firmen stellen diese durchaus ein. Kleine Firmen hingegen verzichten jedoch oft auf einen solchen Fachmann, da er einfach nicht finanzierbar ist. Die „gesparten“ Ressourcen stecken Unternehmer lieber in ihre Arbeitnehmer selbst. Unternehmer, die solche Profis nicht engagieren, haben jedoch oft Schwierigkeiten, Ihre Vakanzen zu besetzen. Viele haben keine Ahnung von Facebook, Xing und Co und können erst durch einen Lebenslauf in den Personalauswahlprozess starten. Dadurch gehen viele passende Kandidaten verloren. Wer also Hilfe bei der Personalsuche benötigt, sollte sich schnellstmöglich mit einem Active Sourcing Profi in Verbindung setzen.

Die Kontaktaufnahme mit Bewerbern

Der erste Kontakt zwischen Personaler und Bewerber ist ein besonders wichtiger Punkt im Actice Sourcing. Bewerber werden entweder per E-Mail, per Telefon oder per Brief kontaktiert. Insbesondere bei der Ansprache via E-Mail oder Brief ist es wichtig, jeden Kandidaten individuell und nicht etwa durch eine standardisierte 0815 Vorlage anzusprechen und so sein Interesse zu wecken. Gleichzeitig sollte der Recruiter sich selbst und das Unternehmen kurz und möglichst interessant vorstellen. Denn wer sein Talent bereits gefunden hat, weil ihm zum Beispiel die Grafikarbeiten gefallen, muss Überzeugungsarbeit leisten. Nur weil der Kandidat perfekt in das Profil des Unternehmens passt, heißt das noch lange nicht, dass dieser Grafiker auch für die Firma arbeiten möchte. Es ist ein Irrglaube, dass alle Bewerber sofort anspringen. Es geht hier nicht nur um normale Arbeitnehmer, die soeben die Pflichtschule abgeschlossen haben. Beim Active Sourcing geht es meist darum, spezielle Talente zu finden, die auch für die Konkurrenz interessant sind und von diesen eventuell ein attraktives Angebot erhalten haben oder dort bereits angestellt sind. Köpfe, die sich so nicht bewerben würden, da sie um ihr Talent wissen und nur darauf warten, angesprochen zu werden. In Zahlen bedeutet das, dass Personaler im Durchschnitt hundert Kandidaten kontaktieren müssen, bis sie die Stelle ideal besetzen können.
Active Sourcing

Was ist der Unterschied zwischen einem Headhunter und einem Recruiter

Sowohl Headhunter als auch Recruiter gehen aktiv auf Kandidaten zu und versuchen, diese für eine Aufgabe entweder in ihrem Unternehmen oder für einen Kunden zu gewinnen. Dabei gehen Headhunter oft mit sehr aggressiven Methoden auf Kandidaten zu. Sie suchen zudem in der Regel Kandidaten für genau eine aktuelle Stelle. Recruiter hingegen haben zwar auch bestimmte Stellen, die sie besetzen möchten und sprechen dazu Kandidaten an, bauen sich jedoch auch gleichzeitig ein Netzwerk aus Talenten auf. Das bedeutet, dass zum Beispiel Bewerber, die nicht auf ein bestimmtes Stellengesuch passen, aber grundsätzlich für die Branche attraktiv sind, in eine Datenbank aufgenommen und in der Zukunft bei einer passenden Anfrage kontaktiert werden können. Recruiter stehen deswegen oft auch mit diesen Talenten dauerhaft in Kontakt. Vor einigen Jahren wurde die aktive Kandidatenansprache hauptsächlich bei der Suche nach Top Führungskräften eingesetzt. Heute wird aufgrund des demographischen Wandels und damit einhergehenden Fachkräftemangels die direkte Ansprache auch in allen anderen Bereichen vermehrt angewandt. Dadurch haben sich beide Aufgabenbereiche immer mehr angenähert, was auch erklärt, dass beide Begriffe oft synonym verwendet werden.

Active Sourcing funktioniert auch offline

Wer denkt, dass Active Sourcing nur online funktioniert, täuscht sich gewaltig. Active Sourcing wird immer häufiger auch offline praktiziert. Anders ausgedrückt: Früher war es sogar üblich, Bewerber direkt auf der Straße anzusprechen. Damit sind nicht nur Models und Schauspieler gemeint. In den USA ist es beispielsweise üblich, dass sich viele Studenten auf Jobmessen herumtummeln. Dort gibt es zahlreiche Firmenaussteller, die ihr Unternehmen präsentieren. Studenten wissen das und sorgen dafür, dass sie ins Gespräch mit den Unternehmen kommen. Nicht selten lassen sie Visitenkarten am Stand und hoffen auf eine Rückmeldung. Active Sourcing dieser Art funktioniert wunderbar. Ebenso ist Active Sourcing in der Wirtschaft üblich. Geschäftspartner treffen sich auf Partys, beim Geschäftsessen und bei Galas. Wer die Gelegenheit hat, dort dabei zu sein, sollte sie nutzen. Kommt man einmal ins Gespräch mit einem Unternehmer, hat man die erste Hürde bereits geschafft. Natürlich ist bei dieser Art des Active Sourcing die Sympathie ausschlaggebender als das Können des Interessenten. Trotzdem ist eben diese Sympathie auch immer wichtig bei der Personalsuche. Wenn der Kandidat einen Draht zum Unternehmer hat, ist es wahrscheinlich, dass er sich auch mit dessen Mitarbeitern verstehen und in die Kultur des Unternehmens passend wird. Deswegen kann es durchaus vorkommen, dass sich dieser nach dem ersten Kontakt erneut beim Kandidaten meldet, um mehr über seine beruflichen Qualifikationen und Referenzen zu erfahren.

Ist Abwerben auch Active Sourcing?

Genau genommen – Ja. Wenn ein Unternehmer auf einen Kandidaten zukommt, weil er gut ist und möchte, dass er in einer anderen Firma anfängt, handelt es sich um Active Sourcing. Da er ja angesprochen wird, ohne sich beworben zu haben. Beispiel: Ein guter Verkäufer überzeugt einen Unternehmer von einem bestimmten Produkt. Dieser ist so von seinem Verkaufstalent begeistert und bietet diesem einen Job in der eigenen Firma an. Schon findet Active Sourcing statt.

Ab wann lohnt sich Active Sourcing?

Die Frage sollte lauten: Wann lohnt sich Active Sourcing nicht? Auch wenn ein Unternehmen es sich aufgrund fehlender zeitlicher oder finanzieller Ressourcen nicht leisten kann, einen Mitarbeiter für diesen Bereich einzustellen oder auszubilden, kann Active Sourcing in der light Version betreiben werden. Wie das dann aussieht? Es hilft schon, einfach die Augen offen zu halten. Zum Beispiel könnte ein Unternehmer zufällig durch einen interessanten Forenbeitrag in einer Xing Gruppe auf einen potenziellen Kandidaten aufmerksam werden und ihn daraufhin kontaktieren. Entweder ergibt sich daraus ein Gespräch und eine mögliche Zusammenarbeit oder eben nicht. Aber auch, wenn das Gespräch zu keiner Einstellung führt, erzählt der Kandidat möglicherweise Bekannten oder Kollegen von dem Interesse und empfiehlt den Kontakt weiter. Und das ohne großen Aufwand für den Unternehmer. Active Sourcing muss also nicht immer die direkte Suche und darauf folgende Ansprache sein, sondern kann auch durch Zufälle entstehen.

Lohnt sich Active Sourcing? Ein kleines Fazit:

Active Sourcing ist eine wunderbare Möglichkeit, potenzielle Kandidaten auf diversen Online und Offline Kanälem zu finden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Personaler und Unternehmer sprechen nur Talente an, die optimal zur Firma passen und müssen sich nicht mit Kandidaten herumschlagen, die einfach nicht auf bestimmte Stellen passen. Somit spart das Unternehmen jede Menge Zeit und Geld.