Sowohl für Unternehmen im Bereich Social Recruiting als auch für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei der Jobsuche spielen soziale Netzwerke wie Facebook eine große Rolle. Und diese Rolle wird auch in Zukunft immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur um Kontakte zu renommierten Unternehmen. Allein die Freunde und Bekannten auf Facebook können bei der Jobsuche eine wichtige Position einnehmen. Denn neben guten Zusprüchen, der Bestärkung und dem Trost, die unser Selbstwertgefühl stärken und uns während dem Bewerbungsprozess unterstützen, sind sie ebenfalls in der Lage, uns freie Stellen zu nennen – beispielsweise in den Unternehmen, in denen sie selbst arbeiten.
Zu Beginn des letzten Jahres wurde in den EU-Ländern eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von knapp unter 11 Prozent ermittelt. Angesichts dieser Zahlen scheint die Unterstützung durch Freunde bei der Jobsuche tatsächlich ein wichtiger Faktor zu sein. Aber finden Jobsuchende tatsächlich eher einen neuen Job, wenn sie sich mit Freunden via Facebook über ihre Jobsuche austauschen? Und führt das Schließen und Vorhandensein bestimmter Kontakte bei Facebook zu Erleichterungen bei der Jobsuche?

So wichtig sind Facebook-Kontakte bei der Arbeitssuche

Facebook untersuchte zusammen mit der Carnegie Mellon University wie groß die Bedeutung von Kontakten zu engen Freunden bei Facebook für die Jobsuche ist. Dabei wurde nicht nur der Frage nachgegangen, ob sich Facebook-Kontakte für die Jobsuche lohnen, sondern vor allem, wie unterschiedliche Freunde und Bekannte während der schwierigen Zeit der Jobsucheden Arbeitssuchenden unterstützen. Leisten also etwa enge Freunde stärkere und andere Unterstützung als entfernte Bekannte? Hierzu befragte man mehr als 3.000 Facebook-Nutzer zu ihrem eigenen Leben, ihrem jeweiligen Stresslevel und dazu, wie stark sie selbst sich von ihren Freunden unterstützt fühlen. Über einen Zeitraum von drei Monaten wurden die Versuchspersonen jeweils einmal im Monat befragt und die Ergebnisse in Abhängigkeit mit dem jeweiligen Nutzungsverhalten der einzelnen Personen interpretiert. Unter den befragten Facebook-Nutzern befanden sich insgesamt 169 Personen, die während der Studie arbeitslos wurden.

Von welchen Facebook-Kontakten profitiert man mehr bei der Jobsuche – enge Freunde oder entfernte Bekannte?

Die Frage, wie wichtig Freunde und Bekannte für die Jobsuche sind, ist nicht neu. Bereits in den 70er Jahren ging der amerikanische Soziologe Mark Granovetter der Bedeutung von sozialen Kontakten für die Jobsuche nach. Seine berühmteste Entdeckung trägt den Titel „The Strength of Weak Ties“, zu Deutsch „Die Stärke der schwachen Bindungen“. Dieser Ansatz besagt, dass schwache Bindungen bei der Arbeitssuche hilfreicher sind als starke Bindungen. Aufgrund dessen kann angenommen werden, dass Arbeitssuchende eher durch bekannte auf freie Stellen hingewiesen werden als durch enge Freunde. Auch wenn diese Annahme auf den ersten Blick erstaunlich erscheint, so ist sie dennoch logisch. Schließlich haben enge Freunde nicht selten die gleichen Interessen und den gleichen Wirkungskreis. Offene Stellen, die von engen Freunden vorgeschlagen werden, kennt man daher in der Regel oftmals bereits selbst. Anders ist es bei weniger engen Freunden und entfernten Bekannten. Diese unterscheiden sich stärker in sämtlichen Bereichen von uns selbst, nutzen andere Informationsquellen und verfügen so in manchen Bereichen über einen Wissensvorsprung. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnis kommt es zu einer zweiten Annahme – nämlich, dass sich dieses Phänomen auch bei der Untersuchung der Facebook-Kontakte zeigt. Stattdessen jedoch kommt die Facebook-Studie zu einem ganz anderen Ergebnis.

Kontakte bei Facebook zu engen Freunden sind hilfreicher für die Jobsuche als Kontakte zu entfernten Bekannten

Aufgrund der durch die Facebook-Studie gewonnen Antworten der Facebook-Nutzer konnte die Wahrscheinlichkeit berechnet werden mithilfe von Facebook einen neuen Job zu finden, und zwar in Abhängigkeit davon, ob sich Facebook-Nutzer während der Zeit der Arbeitslosigkeit und Jobsuche eher mit engen Freunden oder mit entfernten Bekannten ausgetauscht haben. Die Wahrscheinlichkeit mithilfe von Facebook einen neuen Job zu finden liegt laut der Studie bei einem durchschnittlichen Nutzungsverhalten für jeden Facebook-Nutzer bei etwa 15,6 Prozent. Entgegen der Annahme, dass in Relation zu Mark Granovetters Theorie der Stärke der schwachen Bindungen liegt die Wahrscheinlichkeit einen Job zu finden, wenn man bei Facebook eher mit entfernten Bekannten spricht unter dem Durchschnitt bei gerade einmal 6,5 Prozent. Wer dagegen bei Facebook vorwiegend mit engen Freunden spricht, erhöht seine Wahrscheinlichkeit mithilfe von Facebook eine neue Stelle zu finden auf 33,2 Prozent. Doch warum zeigt sich bei der Facebook-Studie ein so vollkommen gegensätzliches Bild? Woran liegt es, dass die Kommunikation mit engen Freunden scheinbar zuträglicher für die Jobsuche ist als die Kommunikation mit entfernten Verwandten? Ein möglicher Grund könnte die Tatsache sein, dass zwischen engen Freunden ein größeres Vertrauen besteht und man eher mit engen Freunden über eine persönliche Notlage spricht als mit entfernten Bekannten. Zum anderen kennen uns enge Freunde sehr viel besser als entfernte Bekannte und sind daher auch in der Lage uns schneller und besser zu motivieren und damit auch besser zu unterstützen als schwache Kontakte.

Kontakt zu engen Freunde hilft besser bei der Jobsuche, sorgt aber auch für mehr Stress

Interessant an der Facebook-Studie ist nicht nur, dass entgegen des Ansatzes „Die Stärke der schwachen Bindungen“ die Kommunikation zu engen Kontakten hilfreicher ist als zu entfernten Bekannten. Besonders interessant ist, dass gleichzeitig die Kommunikation zu engen Freunden nach einem Jobverlust deutlich mehr Stress bei dem oder der Betroffenen hervorruft. Das zumindest geht aus den Befragungen nach dem Stresslevel hervor. Obwohl enge Kontakte hilfreich dafür scheinen, die Zeit der Arbeitslosigkeit abzukürzen, sorgen sie gleichzeitig für mehr Stress. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass enge Freunde mit zu hohen Erwartungen oder mit Ungeduld den oder die Betroffene unter Druck setzt. Ein weiterer Grund kann sein, dass enge Freunde vielleicht zwar versuchen zu helfen, ihre Ratschläge aber nicht immer wirklich hilfreich sind.

Fazit

Die Studie von Facebook und der Carnegie Mellon University zeigt zwei interessante Hauptergebnisse hinsichtlich der Frage, ob sich die Kommunikation zu unterschiedlich starken Kontakten auch unterschiedlich auf die Jobsuche auswirkt. Nach der Studie hilft der Kontakt bei Facebook zu engen Freunden besser bei der Jobsuche. Folglich sollten sich Arbeitssuchende während der Jobsuche vermehrt mit engen Facebook-Freunden austauschen. Um sich jedoch nicht unnötig noch mehr Stress auszusetzen, sollte man im Vorfeld eine Auswahl treffen und enge Freunde meiden, die es zwar vielleicht gut meinen, aber eher ungeduldig sind, sowie sich im Vorfeld auf mögliche Einwände von guten Freunden vorbereiten.