Schockwerbung liegt im Trend. Das Überraschungsmoment sorgt nicht nur dafür, dass das beworbene Produkt im Gedächtnis bleibt, sondern auch für sein rasantes Bekanntwerden. Die Frage ist jedoch, wie viel bei schockierenden Werbeclips erlaubt ist und wann die Grenzen des Anstands und Geschmacks überschritten werden. Aktuell wurde die Art solcher Werbespot von dem südkoreanische Elektronikunternehmen LG auf die Spitze getrieben, das seither in aller Munde ist.

LG nutzt ahnungslose Bewerber zur Vermarktung seiner Ultra-HD-Fernseher

Die Marketingabteilung der chilenischen LG-Vertretung hatte eine ungewöhnliche Idee, um seine neuen Ultra-HD-Fernseher zu vermarkten. Diese knüpfte an die Schadenfreude und die Sensationsgier der Menschen an: Man lud unterschiedliche Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch auf eine vermeintlich freie Stelle im Unternehmen ein. Die Vorstellungsgespräche wurden im oberen Stockwerk eines Wolkenkratzers inmitten der chilenischen Hauptstadt abgehalten. Doch der Büroraum wurde zuvor umfassend präpariert. Hinter ein Fenster wurde ein 82-Zoll-Fernseher mit 4K-Auflösung und LED-Backlight eingesetzt. Während des Bewerbungsgesprächs lief auf diesem ein Video, das die städtische Skyline zeigte. Eine versteckte Kamera hielt die Geschehnisse auf dem Fernsehbildschirm und die Reaktionen der Bewerber auf Band fest. Mit diesen Aufnahmen wollte der Elektronikspezialist zeigen, dass die Bildqualität der Ultra-HD-Fernseher derartig hoch ist, dass Menschen nicht in der Lage sind zwischen Video und Realität zu unterscheiden. Für diese Demonstration wären viele unterschiedliche Videos geeignet gewesen. LG jedoch entschied sich für die wahrscheinlich drastischste Variante: Mitten in dem vermeintlichen Bewerbungsgespräch rast plötzlich ein Meteor durch das Bild, schlägt in die Stadt ein und entfacht eine riesige Feuerwalze, die in großer Geschwindigkeit auf das Gebäude zurast. Perfekt inszeniert wurde das Szenario durch zusätzliche Sound- und Lichteffekte.

Das Video zum Horrorszenario


Man kann sich vorstellen, welche Todesängste die Bewerber ausstehen mussten. Nicht verwunderlich sind daher die zum Teil äußerst wütenden Reaktionen der gehörnten Bewerber, nachdem das Spiel mit der versteckten Kamera aufgeklärt wurde. Ein Bewerbungsgespräch ist eh schon eine belastende Situation, bei der die Nerven eines Bewerbers nicht selten bereits bis zum Zerreißen gespannt sind. Diese Ausnahmesituation für die eigenen Zwecke auszunutzen, grenzt schon fast an Unmenschlichkeit. Doch bislang muss sich LG nicht wegen einer zweifelsohne eher fragwürdigen Philosophie zum Umgang mit (potentiellen) Mitarbeitern verantworten. Stattdessen brachte der Werbeclip dem Unternehmen die gewünschte Beachtung: Über sieben Millionen Mal wurde das Video bereits angeschaut und konnte auf Facebook unzählig viele Likes einheimsen. Nichtsdestotrotz bleibt zu hoffen, dass Unternehmen zukünftig auf weniger einschlagende Erlebnisse beim Vorstellungsgespräch setzen und auf die Irreführung und Bloßstellung ihrer Mitarbeiter und Bewerber zu Werbezwecken verzichten. Wer sich bei der Staffxperts bewerben möchte, braucht seine Entscheidung angesichts solcher Horrorszenarien jedenfalls nicht noch einmal zu überdenken, sondern kann sich darauf verlassen, dass Bewerbungsgespräche bei uns niemals zu einem derartigen Weltuntergang werden – so oder so.