Rund 3,4% aller Beschäftigten in Deutschland wechseln jährlich ihren Job, davon knapp über die Hälfte freiwillig. Die Beweggründe sind unterschiedlich, jedoch stellt sich oft das Gehalt als primärer Antrieb für den Arbeitgeberwechsel heraus. Beim Jobwechsel und der Kündigung gibt es jedoch einiges zu beachten, erst recht für Leute ab 40 oder 50 Jahren, die oft ganz Hürden meistern müssen als jüngere Arbeitnehmer.

Zwei junge, hübsche Damen am gemeinsamen Arbeiten

Ein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber ist nicht immer selbstverständlich! Bildquelle: Monkey Business Images – 275810027 / Shutterstock.com

Wir erklären, auf was es beim Jobwechsel ankommt, was man dabei beachten sollte und wie man als erfahrener Arbeitnehmer wieder Anschluss in die Berufswelt findet!

Gründe für einen Jobwechsel

Übersicht der häufigsten Gründe, die zu einer Kündigung führen.

Das sind die häufigsten Gründe für einen Arbeitsplatz-Wechsel. Grafikquelle: Eigene Darstellung

Im Schnitt verbringt der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer rund ein Drittel seines Lebens bei der Arbeit. Die Zustände am Arbeitsplatz, das Gehalt und natürlich die Zusammenarbeit mit dem Team wirken sich stark auf das persönliche Leben auch abseits des Berufslebens aus.

So werden Probleme bei der Arbeit auch immer zu Problemen im familiären Kreis, auf der anderen Seite bedeutet eine zufriedenstellende Arbeit zumeist auch ein glückliches Privatleben.

Aus diesem Grund haben viele Menschen Angst vor einer beruflichen Umorientierung, wobei diese nicht zwangsweise eine gänzlich andere Tätigkeit zur Folge haben muss, sondern lediglich ein anderes unternehmerisches Umfeld, neue Kollegen und neue berufliche Perspektiven meinen kann.

Das sind die häufigsten Gründe für einen Jobwechsel:

Schlechte Bezahlung – 29,63%

Der häufigste Grund für eine Kündigung seitens des Arbeitnehmers ist eine unzureichende Bezahlung. Denn für die meisten Menschen bedeutet mehr Geld auch mehr Komfort und Luxus. Und auch wenn viele bereits damit zufrieden sind, ihren Lebensunterhalt aufbringen zu können, wird oft vergessen, dass ein höheres Gehalt ein Gradmesser für die Wertschätzung des Arbeitgebers ist – weshalb jeder Arbeitnehmer alle ein bis zwei Jahre eine Gehaltserhöhung erwarten darf – natürlich bei entsprechender Leistung.

Gerade Mitarbeiter, die oft unbezahlte Überstunden leisten und sich über den Arbeitsvertrag hinaus in das Unternehmen einbringen, bekommen schnell das Gefühl, nicht das ihnen zustehende Gehalt zu ausgezahlt zu bekommen und ausgenutzt zu werden.

Ist dies der Fall, sollten sich unzufriedene Arbeitnehmer bewusst werden, dass es auch anders geht und manch ein Unternehmen froh wäre, einen leistungsbereiten Mitarbeiter einzustellen und diesen entsprechend seiner (Mehr-)Arbeit zu entlohnen.

Schlussendlich geht Erfahrung im Beruf, die mit der Zeit gewonnen wird, auch mehr Verantwortung im Unternehmen einher. Auch das sollte in Form von progressiver Lohnentwicklung wertgeschätzt werden.

Schlechtes Arbeitsklima – 25,93%

Junger, bärtiger Mann mit Kopfschmerzen am Schreibtisch

Ein schlechtes Arbeitsklima ist auch nach der Arbeit sehr frustrierend und kann schlimme Auswirkungen auf das Privatleben haben. Bildquelle: g-stockstudio – 289448903 / Shutterstock.com

Nahezu 30% aller Angestellten verlassen ihren Arbeitsplatz aufgrund eines schlechten Arbeitsklimas, was nicht nur Streit mit den Kollegen bedeuten muss:

  • Fehlende Team-Zugehörigkeit: Trotz hervorragender Leistungen bei der Arbeit und korrektem Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen fühlen sich nicht in das soziale Gefüge des Unternehmens integriert. Dies kann an den anderen sowie an einem selbst liegen, muss aber gar nicht auf unsoziales Verhalten zurückzuführen sein. Auch Altersunterschiede oder verschiedene Interessen können diese soziale Dissonanz hervorrufen.
  • Überhöhter Arbeitsdruck: Ein gewisser Druck bei der Arbeit ist ganz normal, macht sich dieser jedoch physisch durch Bluthochdruck oder schlaflose Nächte bemerkbar, sollte dies als erstes Warnsignal gelten, dass der Körper diesem Druck nicht auf Dauer standhalten wird. Reagiert man nicht auf die Zeichen des Körpers, läuft man Gefahr, schon bald ein Burnout zu erleiden. In so einem Fall sollte man offen mit der Überlastung umgehen, seinen Vorgesetzten informieren und gegebenenfalls eine Kündigung in Erwägung ziehen.
  • Fehlende Identifizierung: Unternehmen verändern sich im Laufe der Zeit. So kann es passieren, dass man sich beim Umgang mit Kunden oder Geschäftspartnern nicht mehr verstanden fühlt, interne Prozesse kritisiert oder sich allgemein an der ethischen Ausrichtung des Arbeitgebers stört. Geht es so weit, dass man Abläufe in der Firma mit sich selbst nicht mehr vereinbaren kann, hilft oft nur der Weg zu einem anderen Unternehmen, das die eigenen Ansichten teilt.

Kürzere Anfahrt zur Arbeit – 11,74%

Je kürzer der Weg zur Arbeit ausfällt, desto besser wirkt sich dies auf die Freizeit aus. Schließlich gehört die Zeit, die man unterwegs verbringt, gewissermaßen auch zur Arbeitszeit: Fährt man zum Beispiel eine Stunde mit dem Auto zur Arbeit und arbeitet neun Stunden, ist man mindestens elf Stunden aus dem Haus. Das Resultat hiervon ist ein häufig vernachlässigtes Privatleben, was auf Dauer zu Unzufriedenheit führen kann – letztendlich werden Hin- und Rückreise ja nicht vergütet.

Eine Anstellung in der Nähe des Wohnorts bietet deshalb mehr Vorteile, als man anfänglich glauben mag:

  • Bei sehr kurzen Distanzen kann man auch laufen oder mit Fahrrad fahren – das ist nicht nur günstig für die Spritkasse, sondern hält gleichzeitig auch fit!
  • Die Zeitersparnis dank einer kurzen Anfahrt kommt der Freizeit zugute.

Keine Weiterentwicklung möglich – 10,58%

Gelangweilte junge Dame bei der Arbeit

Jungen Mitarbeiter fühlen sich oft unterfordert mit ihren Aufgaben. Bildquelle: Stokkete – 197497427 / Shutterstock.com

Gerade jüngere Leute leiden oft unter fehlenden Weiterbildungs- und Entwicklungs-Möglichkeiten. Viele alteingesessene Unternehmen mit konservativer Geschäftsleitung verweigern – wenn auch nicht immer bewusst – jungem Personal die Weiterbildung und den Aufstieg innerhalb des Unternehmens, sodass diese sich auf Dauer unausgelastet und fühlen und keine berufliche Perspektive sehen. Das Ergebnis ist fehlende Motivation und Langeweile bei der Arbeit.

Ebenso ist es für einen Mitarbeiter sehr frustrierend, wenn die lang ersehnte Beförderung ausbleibt oder man von Kollegen quasi überholt wird. Auch in solchen Fällen kann der Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber sinnig sein.

Mehr Verantwortung – 5,82%

Arbeitet man lange genug in einem Beruf, ertragen es viele erfahrene Arbeitnehmer irgendwann nicht mehr, ständig kontrolliert zu werden und möchte selbst eine verantwortungsvollere Position einnehmen – schließlich hat man das Wissen in jahrelanger Tätigkeit erworben.

Noch frustrierender wird es, wenn Arbeitnehmer von jüngeren, neuen Kollegen übertrumpft werden. Die dadurch ausgelösten Komplexe können sich sehr stark auf die Psyche und das Privatleben auswirken – nicht selten mit dramatischen Folgen.

Eine bessere Work-Life-Balance – 4,43%

Wie in allen Facetten des Lebens muss auch das Verhältnis zwischen Anstrengung und Ruhe bei der Arbeit stimmen. Einige Chefs und Abteilungsleiter sind jedoch so fordernd, dass sich immer mehr Überstunden häufen und das Privatleben zunehmend in Vergessenheit gerät.

Viele Arbeitnehmer haben in der Zwischenzeit aber auch selbst erkannt, dass sie weniger arbeiten möchten, um das Leben mehr genießen zu können, sei es im Sport, mit Freunden und Familie oder bei anderen erfüllenden Beschäftigungen, die manch einer in seiner Arbeit nicht findet.

Jobwechsel ab 40: Das sollte man beachten

Älterer Mann am Schreibtisch ohne Computer

Gerade für Arbeitnehmer ab 40 gestaltet sich der Jobwechsel oft schwierig. Bildquelle: Rawpixel.com – 377244172 / Shutterstock.com

Gut 48% der Jobwechsler wechseln ihre Arbeitsstelle unfreiwillig – das ist nahezu jeder Zweite! Während es für junge Leute bis etwa 30 kein großes Risiko darstellt, birgt der Jobwechsel mit 40 oder 50 durchaus Herausforderungen. Zu der sehr geringen Nachfrage nach Arbeitskräften in diesem Alter kommt die Angst der Arbeitnehmer hinzu, abgelehnt zu werden, die sich dann in einem Bewerbungsgespräch schnell zeigt und im schlimmsten Fall zum Misserfolg führt.

Es ist nie zu spät für eine Neuorientierung!

Ab dem vierzigsten Lebensjahr ist ein Jobwechsel im Normalfall immer mit einer beruflichen Neuorientierung verbunden. Beruflich ist in diesem Alter oft viel erreicht worden und es trifft eine Art Sättigungsgefühl ein, das den Job erscheinen werden lässt.

Bei körperlich anstrengenden Arbeiten treten mit 40 die ersten körperlichen Schwächen in Erscheinung, die Grund genug sind, sich beruflich nochmals neu zu orientieren: zu einem Job mit weniger körperlicher Arbeit, zum Beispiel in einem Bürojob.

Neue Ziele, neues Glück – Vollgas vor der Rente

Bei Vielen bietet es sich an, noch kurz vor dem Renten-Eintrittsalter den Lebenslauf durch einen neuen Erfolg zu krönen. Schließlich bringt das reifere Alter seine ganz eigenen Vorzüge mit:

  • Seriöser Auftritt: Ab 50 zeigen sich oft ein paar Fältchen und graue Haare, was für einen seriöseren und vertrauenswürdigen Auftritt keinesfalls schädlich ist – ganz im Gegenteil.
  • Erfahrung: Mit zunehmender Arbeitserfahrung wird man immer seltener mit unbekannten Situationen konfrontiert. Durch Erfahrung gewinnt man eine gewisse Sicherheit, was einige Vorgänge im Beruf betrifft.
  • Führungsverantwortung: Durch die Erfahrung des Alters, den seriöseren und selbstsicheren Auftritt und die Sicherheit, was das eigene Können anbelangt, kann man im Alter eine gewisse Führungsverantwortung repräsentieren – ohne eine entsprechende (Vor-)Bildung mitbringen zu müssen.

Bedenken sollte man hierbei jedoch, dass eine lange Erfahrung allein nicht ausreicht. Man sollte eine gute und verlässliche Arbeit ableisten können und kompetent genug sein, um auch im höheren Alter mit jungen Arbeitskräften schritthalten zu können.

Diese Dokumente müssen bei einer Bewerbung vorliegen

Vier junge Leute um die 30 beim gemeinsamen Arbeiten

Ein neuer Job in einem guten Team ist für Viele der Startschuss in eine erfolgreiche berufliche Karriere. Bei der Bewerbung sollte man jedoch auf einige Sachen achten! Bildquelle: Stock Rocket – 337000586 / Shutterstock.com

Unabhängig vom Alter muss eine Bewerbung immer aktuell und vollständig sein! Um bei der Bewerbung auf eine neue Stelle keine Fehler zu machen, haben wir zusammengefasst, welche Dokumente und Informationen keinesfalls fehlen dürfen.

RichtigFalsch
✔ Unterlagen auf dem aktuellsten Stand✘ Adressen und Namen stimmen nicht
✔ Nur beglaubigte Kopien von Zeugnissen, keine Originale einsenden✘ Tippfehler, Eselsohren, unsaubere und unlesbare Schrift
✔ Arbeitsproben nur als Kopien✘ Doppelseitig bedruckte Blätter
✔ Anlagen müssen gekennzeichnet und vollständig enthalten sein✘ Nicht-einheitliches Layout
✔ Versand nur auf dem normalen Postweg einsenden, nicht mit Einschreiben✘ Fehlendes Datum und fehlende Unterschrift

Folgende Dokumente sollten auf keinen Fall bei einer Bewerbung fehlen:

  • Bewerbungs-Anschreiben: Das Anschreiben in einer Bewerbung sollte höchstens zwei Seiten lang sein. Es sollten mit möglichst wenigen Worten alle relevanten Informationen bereitstellen.
  • Lebenslauf: Auf maximal drei Seiten sollten alle wichtigen Stationen des Berufslebens im Lebenslauf vermerkt sein – die aktuellste zuerst!
  • Zeugnisse: Ob Schule, Ausbildung, Studium oder Weiterbildung – man sollte nie das Original versenden, sondern immer nur Kopien.
  • Arbeitszeugnisse: Der neue Arbeitgeber möchte wissen, wie der vorherige Arbeitgeber einen einschätzt, um sich ein Bild vom Bewerber zu machen. Auch hier gilt: Nie das Original versenden!

Möchte man seine Bewerbung perfektionieren, um den zukünftigen Arbeitgeber adäquat ansprechen zu können, empfehlen wir folgende zusätzliche Dokumente einzufügen:

  • Deckblatt: Ein rein formelles Dokument, das die Bewerbung auflockert und gleichzeitig edel und seriös wirken lässt.
  • Bewerbungsfoto: Auf aktuellen Bewerbungsfotos zeigt man sich von seiner sympathischsten Seite, sodass der Lesende einen ersten optischen Eindruck des Bewerbers gewinnt.
  • Sämtliche Fortbildungsnachweise: Auch, wenn es ein unwichtig scheinendes Zertifikat sein sollte, Fortbildungsnachweise zeugen von der eigenen Motivation, dazulernen zu wollen!

Vermeiden sollte man plumpe, umgangssprachliche Formulierungen und Rechtschreibfehler. Vor dem Versand sollte man die Bewerbung mehrmals überprüfen und von Dritten überprüfen lassen, sodass der zukünftige Arbeitnehmer ein möglichst perfektes Dokument erhält – inhaltlich, sprachlich und optisch.

Jobwechsel wirklich wagen?

Junge, hübsche Dame am Schreibtisch

Ein neuer Job kann das ganze Leben verändern. Bildquelle: sheff – 295640642 / Shutterstock.com

Man tut sich schwer, seinen Arbeitsplatz für einen anderen aufzugeben, auch wenn es bei der aktuellen Anstellung nicht rund läuft. Ist jedoch der Punkt erreicht, an dem das Privatleben leidet, sollten die sprichwörtlichen Alarmglocken läuten – schließlich rechtfertigt kein Job psychische oder physische Erkrankungen.

Erkennt man die Anzeichen frühzeitig und reagiert umgehend, kann man seinem Leben mit der richtigen Organisation mehr Lebensqualität verleihen – und das ohne auf Lohn oder berufliche Erfüllung verzichten zu müssen. Beachten sollte man aber stets die eigenen Voraussetzungen und Fähigkeiten bei einer beruflichen Umorientierung.

Generell sollte man trotz aller etwaigen Vorkommnisse und Zerwürfnisse versuchen, mit einem möglichst guten Verhältnis aus seiner alten Anstellung zu scheiden – und das unabhängig von der geplanten Zukunft und dem Alter. Denn ein gutes Arbeitszeugnis kann bei neuen Arbeitgebern der entscheidende Vorteil sein.


 

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