Was Xing für die Deutschen ist LinkedIn für die Amerikaner. Das deutsche Karrierenetzwerk wird immer beliebter und stellt hierzulande mittlerweile einen ernstzunehmenden Konkurrenten für den US-Rivalen dar. Vor allem, seit es vermehrt um zahlende Premiummitglieder wirbt.

Unter den sozialen Netzwerken, dessen Nutzer neben privaten Kontakten vorwiegend berufliche Kontakte knüpfen und verwalten, ist LinkedIn mit weit über 250 Millionen Nutzern das größte weltweit. Nur wenige Seiten werden häufiger besucht. In Deutschland jedoch besitzt Xing einen kleinen Vorsprung. Nach Angaben des Unternehmens besitzt die Plattform 6,7 Millionen aktive Mitglieder im deutschsprachigen Raum und damit über 2,5 Millionen mehr Mitglieder in der Region als der US-amerikanische Konkurrent. Besonders die Premiummitgliedschaften sind für Xing von Bedeutung, denn die kostenpflichtigen Premiumangebote sind für das Unternehmen die wichtigste Einnahmequelle. Mehr als 60 Prozent des Umsatzes von 13,7 Mio. Euro im 3. Quartal 2013 wurden durch den Premium Club erwirtschaftet. Mit fast 60 Prozent des Umsatzes von 224,7 Mio. Dollar im 3. Quartal sind bei LinkedIn dagegen die sogenannten “Talent Solutions” für Recruiter und Stellensuchende die Einnahmequelle Nummer eins. Damit ist der Anreiz, für eine Premiummitgliedschat zu zahlen, bei Xing größer als bei LinkedIn. Um diesen Vorteil weiter auszubauen und künftig weiterhin mehr Premiumnutzer an sich binden zu können, hat Xing seinen Premium Club nun durch weitere neue Funktionen und Produkte verbessert.

Ein Blick in die Zukunft von Xing ruft bei manch einem Erinnerungen an das soziale Netzwerk StudiVZ hervor. Dieses war erst deutschlandweit in aller Munde und dann schlagartig mit dem Bekanntwerden von Facebook verschwunden. Experten sehen keine Gefahr für Xing, von dem amerikanischen Pendant LinkedIn derartig abgelöst zu werden. Zu stark ist das soziale Netzwerk mittlerweile im Geschäftsleben zahlreicher Deutscher, Schweizer und Österreicher integriert. Das Geschäftsnetzwerk, das sich viele über Xing aufgebaut haben, ist mittlerweile für viele zu kostbar, als dass dieses einfach durch ein LinkedIn Profil ausgetauscht werden könnte, bei dem all diese Kontakte erst mühsam wieder erneut aufgebaut werden müssten. Wenn Nutzer nicht mehr auf LinkedIn verzichten möchten, legen sich viele ein zusätzliches Profil bei dem amerikanischen Karrierenetzwerk an und betreiben das XingnProfil und das LinkedIn Profil parallel. Dies ist keineswegs umständlich. Stattdessen hat sich gezeigt, dass beide Plattformen ihre Vorteile für das Berufsleben bieten. Während sich bei Xing mit Leichtigkeit Kontakte aus traditionelleren Branchen und lokalen Regionen finden lassen, eignet sich LinkedIn hervorragend, um das eigene Business-Netzwerk auf internationalem Boden oder in jüngeren Branchen auszuweiten. Allerdings stellt sich für viele Nutzer mit solch einem doppelten Karrierenetzwerk-Account die Frage, bei welchem man sich einen Premium Account leisten möchte.

XING Premium Mitgliedschaft

Eine Premium Mitgliedschaft bei Xing schlägt je nach Laufzeit und Rabattangebot mit 6,35 bis 9,95 Euro monatlich zu Buche. Auf das Jahr gerechnet ergeben sich damit jährliche Kosten von 120 Euro für einen Premium Account bei Xing. Dieser ist damit wesentlich kostengünstiger als bei LinkedIn.

Durch die Premium Mitgliedschaft bei Xing wird Nutzern vor allem ein wichtiger Einblick gewährt: Wer das eigene Profil besucht hat. Das ist für Berufstätige von so großem Interesse, weil sich so erkennen lässt, welche potentiellen Arbeitgeber und Partner, aber auch welche Kunden und Konkurrenzunternehmen nach Informationen zur eigenen Person suchen. Besonders aus häufigen Besuchen lässt sich allerhand ablesen. Darüber hinaus erhalten Premium-Nutzer bei Xing weitere Vorteile wie erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten. Während das Kontaktieren von Nicht-Kontakten bei Xing mit einem Basis Account nicht möglich ist, können Premiumnutzer Nicht-Kontakte nach Belieben direkt anschreiben und selbst Dateianhänge einer Größe von bis zu 100 MB versenden. Allerdings stehen Basismitgliedern zumindest in letzterem Fall auch zahlreiche andere Dienste wie Dropbox oder WeTransfer zur Verfügung, mit denen größere Dateien auch kostenlos verschickt werden können, ohne dass dafür Xing notwendig wäre.

Ein weiterer Vorteil der Premium Mitgliedschaft bei Xing ergibt sich durch die erweiterten Suchfunktionen. Statt lediglich nach Namen suchen zu können, erlaubt der Premium Account auch Suchen nach Arbeitgebern und Positionen und selbst nach Interessen oder Einträgen. Und auch für die Präsentation der eigenen Person stehen Nutzern deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als mit dem Basis Account. So dürfen zahlende Premium Mitglieder ihre Profile durch Bilder und Dokumente aufwerten, ihre Karrierepläne ausführlich in ihrem eigenen Profil darstellen und sogar Referenzen von anderen Mitgliedern veröffentlichen. In Zukunft sollen Premium Mitglieder außerdem auch Vergünstigungen bei anderen Anbietern und Services erhalten. Schon bald erhalten Premiummitglieder die Möglichkeit, ein Jahr gratis die Coworking Spaces der Design Offices in Berlin, München, Frankfurt, Nürnberg und Düsseldorf sowie die Smartphone-App Blinkist zu nutzen, mit deren Hilfe Sachbücher für den mobilen Gebrauch zusammengefasst werden.

LinkedIn Premium Mitgliedschaft

Eine Premium Mitgliedschaft bei LinkedIn erhalten Nutzer im günstigsten Fall für 14,95 Euro im Monat. Das sogenannte Business-Paket gibt es allerdings nur zu diesem Preis, wenn die Mitgliedschaft gleich für ein ganzes Jahr gebucht wird. Doch die wenigsten Nutzer greifen zu diesem Angebot, da die LinkedIn Betreiber viel Werbung für ihr teureres Premiumpaket Business Plus, das monatlich stolze 29,95 Euro kostet, macht. Für diesen Preis bekommen Nutzer dann aber auch einiges mehr geboten als mit einem Basis Account. Doch statt neuen Funktionen gibt es vorwiegend Erweiterungen der bisherigen Möglichkeiten. So dürfen zahlende Mitglieder je nach ihrem gebuchten Tarif mindestens 3 bis maximal 25 Direktnachrichten an Nicht-Kontakte versenden und sich darüber hinaus zwischen 10 und 30 Mal öfter als in der Basisversion im Monat von einem bestehenden Kontakt einem Mitarbeiter eines ausgewählten Betriebs vorstellen lassen. Darüber hinaus wird die Trefferanzeige bei der Personensuche von 100 Profilen auf 700 mit dem Premium Account erhöht. Zusätzlich darf nun nicht mehr nur drei Mal wöchentlich, sondern bis zu zehn Mal täglich eine gespeicherte Suche automatisch durchgeführt werden. Umgekehrt steht Nutzern durch die OpenLink-Funktion die Möglichkeit zur Verfügung, sich von allen anderen LinkedIn Mitgliedern gratis kontaktieren zu lassen. Doch ähnlich wie bei Xing auch ist die beliebteste Funktion, wegen der die meisten LinkedIn-Nutzer zum Premiumtarif greifen, die Besucher des eigenen Profils sehen zu können. Ein toller weiterer Nebeneffekt ist außerdem, dass zahlende Mitglieder alle Profile bis hin zum dritten Vernetzungsgrad, also den Kontakt eines Kontaktes eines Kontaktes, einsehen können.

Unser Fazit

Bei welchem Karrierenetzwerk lohnt sich nun ein Premium Account mehr? Xing bietet Club-Mitgliedern durch seine Funktionen und Vergünstigungen viele Pluspunkte und ist trotzdem weitaus günstiger als LinkedIn. Obwohl LinkedIn stark im Kommen ist, ist daher eine Premium Mitgliedschaft bei Xing im deutschsprachigen Raum immer noch vorteilhafter als bei LinkedIn und besitzt zum Knüpfen von geschäftlichen Kontakten die interessantere Zielgruppe, zumindest für Privatpersonen. LinkedIn dagegen zielt mit seinen Angeboten eher auf spezielle Kunden ab, darunter Firmen und Recruiter. Für diese werden besondere Pakete geschnürt, die schnell 300 Euro und mehr im Monat kosten. Für Privatpersonen ist außerdem der Basis Account bei LinkedIn häufig vollkommen ausreichend. Denn viele Funktionen, wie das Veröffentlichen von Referenzen anderer Nutzer oder auch die Anzeige von Profilbesuchern, sind bereits teilweise gratis. Aus diesem Grund ist der Reiz, bei LinkedIn zu zahlen, eben einfach weniger groß als bei Xing.