Kaum eine andere Branche boomt seit Jahren so sehr wie der Online-Handel. Gerade die großen Unternehmen können sich über die Nachfrage nach ihren Produkten nicht beschweren. Auch für die Zeitarbeitsbranche sind die großen und kleinen Versandhäuser, die ihre Waren im Internet anbieten, von großer Bedeutung. Denn ein Großteil ihrer Mitarbeiter ist nicht fest eingestellt, sondern werden über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Das ist auch sinnvoll, steigt und fällt der Personalbedarf bei diesen Unternehmen schließlich mit der Saison. So kann man sich vorstellen, dass zu Weihnachten und anderen Spitzenzeiten für das boomende Geschäft, wenn zusätzlich zu dem regulären Umsatz noch die allgemeine Suche nach Geschenken hinzukommt, eine Vielzahl zusätzlicher Mitarbeiter besonders in den Lagern nötig werden.

Wenn der Personalbedarf vorübergehend um ein Vielfaches steigt

Für die Menschen, die auch außerhalb der Weihnachtsgeschäftszeit für Amazon in den Lagern arbeiten, ist dieser Mehrbedarf alleine nicht zu stemmen. Andererseits den Personalbestand auszuweiten ist für die meisten Unternehmen nicht wirtschaftlich, gibt es schließlich in den Zeiten nach den umsatzstarken Wochen nicht genug Arbeit für die erhöhte Personalkapazität und langfristig damit auch nicht genug Umsatz, der die weitere Einstellung von Mitarbeitern rechtfertigen geschweige denn tragen könnte. Unternehmen müssen daher in Spitzenzeiten oftmals auf Personaldienstleister zurückgreifen, und theoretisch wäre das auch für alle Beteiligten vorteilhaft: Dem Unternehmen wäre über die Zeit des erhöhten Arbeitsaufkommens geholfen, und Menschen ohne Festanstellung können über die Leiharbeitsfirma einer beruflichen Tätigkeit nachgehen und sind damit abgesichert. Theoretisch. Die Wirklichkeit sieht leider nicht immer so aus. Das weiß die Allgemeinheit spätestens seit der ARD-Dokumentation über Zeitarbeit bei Amazon, die im Februar diesen Jahres ausgestrahlt wurde. Die ARD berichtete über die Lebens- und Arbeitsbedingungen für osteuropäische Leiharbeiter, die von Amazon zur Bewerkstelligung des Weihnachtsgeschäfts eingestellt wurden.

Menschenunwürdige Bedingungen für Zeitarbeiter bei Amazon

In der Dokumentation kommt Erschreckendes ans Tageslicht: Nicht nur sind die Mitarbeiter für die Lagerarbeit überqualifiziert, sie werden außerdem unterbezahlt und müssen mit Lohnkürzungen rechnen, wenn sich ihr überfüllter Pendelbus verspätet, der eigens von Amazon eingerichtet wurde, um die Arbeiter aus ihren oftmals 30 Kilometer entfernten Unterbringungen zum Werk zu befördern. Und diese Unterbringung genauso wie die Überwachung der Mitarbeiter in ihrer Freizeit sind mehr als mitarbeiterunwürdig. Sie sind menschenunwürdig. Amazon trennte sich umgehend zumindest von seinem beauftragten Security-Unternehmen, und das Leiharbeitsunternehmen musste sich verschiedenen Untersuchungen stellen und Nachzahlungen von Sozialabgaben in Millionenhöhe leisten.

Wie kann man sich als Leiharbeitnehmer nun vor solchen unseriösen Vorgehensweisen in der Zeitarbeitsbranche schützen?

Durch die Tarifverträge, die seit einigen Jahren auch für die Zeitarbeitsbranche gelten, sind Arbeitnehmer sehr gut gegen zu geringe Verdienste abgesichert. Darüber hinaus gibt es mittlerweile attraktive Branchenzuschläge. Laut den gängigen Tarifverträgen müssen Zuschläge gezahlt werden, wenn ein ununterbrochener Einsatz bei demselben Entleiher stattfindet. In der Metall- und Elektrobranche beispielsweise wurden gestaffelte Branchenzuschläge auf die Zeitarbeitsentgelte von 15 bis 50 % ab einer Einsatzzeit von 6 Wochen bis zu 9 Monaten vereinbart. Auch in der Chemiebranche gelten diese Regelungen. Jeder Leiharbeitnehmer sollte sich daher zu seinem eigenen Schutz über die geltenden Regelungen in seiner Branche informieren.

Informieren ist der Lösungsschlüssel

Das Wichtigste, um sich vor schwarzen Schafen in der Zeitarbeitsbranche zu schützen, ist, sich umfassend zu informieren – nicht nur über geltenden Tarifbestimmungen, sondern vor allem auch über den potentiellen Arbeitgeber. Das gilt sowohl für die Zeitarbeitsbranche als auch für den übrigen Arbeitsmarkt. Wer seinen Arbeitgeber und dessen Ruf kennt, der weiß worauf er sich einlässt, mit welchen Arbeitsbedingungen er konfrontiert wird und welche persönlichen Karrierechancen sich bei dem jeweiligen Arbeitgeber bieten. Eine erste Prüfung sollte den Zertifizierungen eines Zeitarbeitsunternehmens zukommen. Ist der Personaldienstleister überhaupt zertifiziert, und wenn ja, in welchen Bereichen? Und wie leicht sind diese Zertifizierungen zugänglich? Zertifizierungen sind für jede Branche ein gutes Werbemittel. Ein Zeitarbeitsunternehmen, das keine Zertifizierungen vorweisen kann, kann unter Umständen keine guten Leistungen vorweisen oder sich ein Zertifikat schlichtweg nicht leisten. Doch wer hier nicht investieren kann oder will, der kann und will vermutlich auch nicht in die Arbeitsbedingungen und die Gehälter seiner Leiharbeitnehmer investieren. Und die Gehälter sind ein weiterer wichtiger Faktor bei der Auswahl eines Zeitarbeitsunternehmens. Die Höhe der Gehälter zeigt nicht nur, wie erfolgreich ein Zeitarbeitsunternehmen ist, sondern auch, wie viel der einzelne Mensch dem Unternehmen wert ist. Und dies sollte der dritte wichtige Aspekt sein, den es zu überprüfen gilt, um die Seriosität eines Zeitarbeitsbetriebs festzustellen: Die Firmenphilosophie spielt eine wichtige Rolle. Wer seine Mitarbeiter nur als Ware sieht, die es zu vermitteln gilt, dem sind höchstwahrscheinlich auch die Rahmenbedingung nicht oberste Priorität. Ein Zeitarbeitsunternehmen, das in erster Linie den Menschen sieht und nicht die Arbeitskraft, kann auch auf dessen Wünsche und Bedürfnisse eingehen. Um sich über potentielle Arbeitgeber aus der Zeitarbeitsbranche zu informieren, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Das Internet ist sicherlich eine der am leichtesten zugänglichen Informationsquellen, doch sollten sämtliche Informationen kritisch gesehen werden, so lang man nicht weiß, wer für diese verantwortlich ist.

Die Staffexperts GmbH bietet aus diesem Grund umfassende Beratungsmöglichkeiten an. Hier können Bewerber sämtliche Fragen stellen und erhalten ein umfassendes Bild über die Arbeitsbedingungen aber auch die Ideale und das Leitbild des Unternehmens.