Entgeltrahmentarifvertrag Zeitarbeit

Der Entgeltrahmentarifvertrag ist ein Tarifvertrag, der zur Gruppe der Vergütungstarifverträge gehört. Er wird auch als Lohn- oder Gehaltstarifvertrag bezeichnet, ist aber nicht mit dem Entgelttarifvertrag zu verwechseln. Denn während dieser die konkrete Höhe des Entgeltes für Arbeitnehmer aus deren Arbeitsverhältnis regelt, legt der Entgeltrahmentarifvertrag, wie der Name bereits verrät, die entgeltlichen Rahmenbedingungen fest, genauer gesagt die Mindestbedingungen der Entgelte für Arbeitnehmer. Die Grundlage des Entgeltrahmentarifvertrags bildet der Ecklohn. Dieser ist der 100 prozentige Lohn eines über 21 Jahre alten Facharbeiters der niedrigsten Tarifgruppe der festgesetzten Normallöhne. Er bildet bei jeder Tarifverhandlung einen der Verhandlungssachverhalte, denn von ihm ausgehend werden auch die Grundlöhne anderer Lohngruppen kalkuliert.

Kleine Klausel mit großer Wirkung – Zur Entwicklung des Entgeltrahmentarifvertrags

Entgeltrahmentarife gibt es beispielsweise im öffentlichen Dienst oder in der Metall- und Elektroindustrie und seit einigen Jahren auch im Bereich der Zeitarbeit. In diesem Jahr wurde der Grundsatz des Equal Pay zusammen mit dem Grundsatz des Equal Treatment im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verankert. Beide Grundsätze besagen, dass jedem Leiharbeitnehmer in dem Unternehmen, in dem er oder sie arbeitet, dieselben Rechte in Bezug auf ihre Behandlung und ihre Vergütung zustehen wie jedem fest angestellten Arbeitnehmer. Um eine faire Bezahlung für sämtliche Leiharbeitnehmer einfacher zu gestalten, enthält das AÜG eine Klausel, durch die bei der Vergütung der Leiharbeitnehmer auf Tarifverträge abgewichen werden darf. Von dieser Klausel wird in der Zeitarbeit fast ausschließlich Gebrauch gemacht.

Der Entgeltrahmentarifvertrag in der Zeitarbeit

Die Vergütungstarifverträge im Bereich der Leiharbeit sind noch recht jung und wurden erst im Jahr 2003 im Zuge des Ersten Gesetzes für moderne Arbeitsmarktdienstleistungen entwickelt. Damals beschlossen die Tarifgemeinschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kurz DGB, und der Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen, kurz BZA, ein Tarifwerk, das neben dem Entgeltrahmentarifvertrag für Zeitarbeit auch einen Manteltarifvertrag sowie einen Entgelttarifvertrag umfasst. Zuletzt wurden seine Inhalte 2010 geändert. Während im gesamten Tarifwerk beispielsweise die 35-Stunden-Woche, Urlaubsregelungen und diverse Arbeitsbedingungen aufgeführt sind, befasst sich der Entgeltrahmentarifvertrag insbesondere mit den verschiedenen Entgeltgruppen, in die die Leiharbeitnehmer aufgrund ihrer Tätigkeiten zur fairen Besoldung eingruppiert werden. Insgesamt listet der Entgeltrahmentarifvertrag neun Entgeltgruppen auf.

Welche Tätigkeit entspricht welcher Entgeltgruppe? Die Entgeltgruppen des Entgeltrahmentarifvertrags

Unter Entgeltgruppe 1 werden Arbeitnehmer eingruppiert, deren Tätigkeiten nur eine kurze Anlernzeit erfordern. Die Entgeltgruppen 2 und 3 erfordern hingegen eine Tätigkeit, für die eine gewisse Einarbeitszeit und Erfahrung notwendig sind. Um die Entgeltgruppe 4 oder 5 zu erreichen, müssen Leiharbeitnehmer eine Tätigkeit ausüben, für die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung bzw. zusätzliche Spezialkenntnisse erforderlich sind. Unter Entgeltgruppe 6 und 7 werden Tätigkeiten gruppiert, die eine Meisterausbildung, eine Technikerausbildung oder eine vergleichbare Qualifikation erfordern. Für die Eingruppierung in Entgeltgruppe 7 muss zusätzlich eine mehrjährige Berufserfahrung für den Tätigkeitsbereich nachgewiesen werden können. Tätigkeiten der Entgeltgruppe 8 erfordern ein Fachhochschulstudium und Entgeltgruppe 9 eine solche Qualifikation plus mehrjährige Berufserfahrung.

Andere Inhalte des Entgeltrahmentarifvertrags

Neben den unterschiedlichen Entgeltgruppen setzt der Entgeltrahmentarifvertrag außerdem fest, dass die Gruppierung der Leiharbeitnehmer in die unterschiedlichen Entgeltgruppen ausschließlich nach ihrer aktuellen Tätigkeit erfolgt. Das bedeutet, dass keine höhere berufliche Qualifikation ohne den Einsatz für eine entsprechende Tätigkeit auch eine Höhergruppierung zur Folge hat. Umgekehrt führt keine Qualifikation, die niedriger ist als die ausgeübte Tätigkeit eigentlich erfordert, zu einer automatischen Eingruppierung in eine niedrigere Entgeltgruppe. Das gleiche gilt auch für vorübergehende Tätigkeiten in einer höheren Entgeltgruppe. Erst wenn diese länger als sechs Wochen ausgeübt wird, muss dem Leiharbeitnehmer eine Zulage entrichtet werden, die der Differenz zwischen der ausgeübten Tätigkeit und der jeweiligen Einstufung entspricht. Auch das regelt der Entgeltrahmentarifvertrag, genauso wie eine gleichbleibende Besoldung bei einer vorübergehenden Beschäftigung im Tätigkeitsbereich einer niedrigeren Entgeltgruppe.

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